Warum sich eine Städtereise nach Thessaloniki lohnt

Blick entlang der Zografou Straße & Stadtmauer Richtung Innenstadt von Thessaloniki
Blick entlang der Zografou & Stadtmauer Richtung Innenstadt und Meer @ Ella

Schon alle großen und berühmten Städte in Südeuropa abgeklappert und auf der Suche nach einem neuen Ziel? Oder einfach nur Lust, mal etwas Neues zu entdecken und dabei nicht übermäßig viel Geld auszugeben? Wenn ja, kann ich euch ganz klar eine Reise nach Thessaloniki, der zweigrößten Stadt Griechenlands, empfehlen.

Thessaloniki liegt direkt am Thermaischen Golf der Ägäis, ist Hauptstadt von Makedonien und wird von vielen Fluggesellschaften direkt angeflogen. Auch weil gleich ein Stück südöstlich der Stadt, die Halbinsel Chalkidiki so manchen Pauschaltouristen anzieht. Für viele ist Thessaloniki so auch meist nur ein Ort für einen Tagesausflug und gerade nach der Finanzkrise Griechenlands nicht gerade das Wunschziel vieler Städteurlauber. Ich hatte zugegeben auch erst so meine Bedenken, aber es gab sehr ausschlaggebende Argumente, die meine Begleitung und mich dann doch bewogen haben, Ende August genau dort hinzufliegen: ein erschwinglicher Flugpreis war dabei nur ein kleiner Grund. Vielmehr hat uns das Meer und die Sonne direkt vor Ort gelockt, die gute Ausgangslage für Ausflüge sowohl nach Chalkidiki als auch zum Beispiel nach Meteora zu den berühmten Klöstern auf den Felsnadeln als auch die Möglichkeit, den Olymp, also den Berg der griechischen Götter, mal live zu sehen. Das kann man bei gutem Wetter nämlich sogar direkt von der Stadt aus, weil er Luftlinie praktisch gleich gegenüberliegt.

 

Was man konkret zum Beispiel so alles in Thessaloniki und Umgebung machen kann und wieso sich für uns die Städtereise dorthin gelohnt hat, habe ich euch hier mal aufgeschrieben.

Einen Streifzug durch das Stadtzentrum Thessalonikis machen

Galeriusbogen und Rotonda in Thessaloniki
Galeriusbogen & Rotonda @ Ella

Obwohl ein Großteil des Zentrums nahe dem Meer im Jahre 1917 von einem Großbrand zerstört wurde und die neu gebauten Gebäude nicht alle gerade der absolute Hinkucker sind, gibt es dazwischen auch immer mal wieder richtige Kleinode oder historische Gebäude und Kirchen zu entdecken. So kann man in Thessaloniki zum Beispiel Überbleibsel aus der römischen Zeit, wie den Galeriusbogen oder das Römische Forum anschauen (ohne Eintritt übrigens), aus der byzantinischen Zeit viele Kirchen und auch Zeitzeugen der osmanischen Herrschaft entdecken. Hauptplatz der Stadt ist der Platia Aristotelous, ein lang gezogener Platz, der sich zum Meer hin öffnet und neben einigen kleinen Grünanlagen auch so manches Geschäft umfasst. Ein schöner Ort zum Verweilen oder für eine Pause. Wer shoppen gehen möchte, dem kann ich die Tsimiski Straße empfehlen. Dort gibt es bekannte, aber auch unbekannte (für mich zumindest) Modegeschäfte. Scheint für mich so die Einkaufsstraße der Stadt zu sein.

 

Die Markthallen besuchen

Es gibt in Thessaloniki mehrere feststehende Märkte oder so eine Art Markthallen zumindest im Zentrum, die alle nahe beieinanderliegen. So zumindest steht es in den Reiseführern. Bei uns war der Mediano Markt geschlossen, der Blumenmarkt bestand nur aus zwei/drei Händlern und beim sogenannten Vatikioti Markt waren bei Weitem auch nicht alle Stände geöffnet. Wahrscheinlich bedingt durch die Finanzkrise, wie ich das mal frei heraus vermute. Richtig was los war eigentlich nur beim Kapani und Vlali Markt, zwischen der Venizélou Straße und dem Platia Aristotelous. Dort gibt es vor allem Kleidung, Schuhe und Lebensmittel. Und obwohl das nur noch ein Teil des früheren Angebotes ist, lohnt sich ein Besuch durchaus. Wir haben uns dort zum Beispiel Olivenöl als Mitbringsel und frisches Obst zum Sofortnaschen gekauft. Da die Markthallen sehr zentral liegen, lässt sich ein Abstecher dorthin gut mit einem Streifzug durchs Zentrum (siehe oben) verbinden.

 

Spaziergang entlang der alten und neuen Uferpromenade Nea Paralia

Regenschirmskulptur in Thessaloniki zum Sonnenuntergang
Regenschirmskulptur an der Nea Paralia @ Ella

Die neue Uferpromenade (Nea Paralia), die sich ungefähr am Weißen Turm, einem der Wahrzeichen Thessalonikis, beginnend 5 km weit direkt am Meer entlang erstreckt, ist nicht nur autofrei und von Grünanlagen stadteinwärts begrenzt, sondern hat ebenso neben dem Weißen Turm seit ein paar Jahren, das mit, wie ich finde, schönste Fotomotiv der Stadt zu bieten: die Kunstinstallation aus 39 transparenten Regenschirmen von Giórgos Zongelópoulos, die besonders bei Sonnenuntergang ihre wahre Pracht entfalten. Man kann dort direkt am Meer sitzen, die Seele baumeln lassen und zusehen, wie die Sonne am Horizont versinkt oder bei guter Sicht vielmehr hinter den Bergen, zu denen auch der Olymp gehört. Vor allem am Abend kurz vor Sonnenuntergang ist das für mich wirklich ein Muss für jeden Thessalonikibesucher.

Ein Stück von den Regenschirmen entfernt Richtung dem Weißen Turm, befindet sich zudem eine Statue von Alexander dem Großen, die ebenfalls ein schöner Hinkucker ist.

Weißer Turm und Stück Promenade zur blauen Stunde @ Ella
Weißer Turm und Stück Promenade zur blauen Stunde @ Ella

Die alte Uferpromenade verläuft dagegen parallel einer gut befahrenen Straße zwischen Meer und Häuserfront. Sie beginnt am Hafen bei den alten Lagerhallen und geht bis zum Weißen Turm, wo sich dann die neue Promenade lückenlos anschließt. Allerdings gibt es dort keine Sitzgelegenheiten, wie an der neuen Promenade. Durch die Straße ist es laut und der Fußweg schon recht schmal. Es reihen sich allerdings dort so einige Bars, Cafés und Delikatessengeschäfte aneinander, die auf Besucher hoffen. Den besten Nachtpanoramablick auf die beleuchtete Bucht hat man aber entweder vom Weißen Turm bzw. der neuen Promenade oder auf der anderen Seite, an den ehemaligen Hafenlagerhallen, die heute ein paar kleine Museen beherbergen und wo sich jeden Abend die Jugend Thessalonikis trifft. Dort gibt es dann auch wieder Sitzgelegenheiten und auch ein Restaurant.

 

Das Ladadika-Viertel am Abend unsicher machen

an einer ruhigeren Ecke im Ladadika-Viertel @ Ella
an einer ruhigeren Ecke im Ladadika-Viertel @ Ella

Nördlich des Hafens bzw. der alten Lagerhallen befindet sich das Ausgehviertel Thessalonikis. Hier reihen sich Bars, Bistros und Restaurants aneinander mit einem bunt gemischten Publikum, sowohl jüngere als auch ältere Semester sind vertreten. Wir waren zweimal abends dort und jedes Mal war so einiges los. Die Restaurants haben alle einen guten Eindruck gemacht und im Sommer kann man super draußen sitzen, sodass ich euch auf jeden Fall mal einen Abstecher dorthin empfehlen kann. Auch ein Stück weiter stadteinwärts in und um der Kapodistriou Straße gibt es gute Restaurants, wem das Ladadika-Viertel zu voll sein sollte.

 

Panorama-Aussicht von oben auf die Stadt genießen

Ausblick vom Trigoniou Turm auf Thessaloniki
Blick vom Fuße des Trigoniou Turms @ Ella

Und das alles völlig für lau. Während man beim Weißen Turm Eintritt zahlen muss und die Sicht auch nur begrenzt ist, kann man das von der Oberstadt bzw. der Ano Poli – der Altstadt Thessalonikis aus an einigen Stellen auch ohne und schöner, wie ich finde. Vom Parkplatz des Vlatades Klosters angefangen bis hin zum Trigoniou Turm und den stadteinwärts führenden Stadtmauerresten hat man einen super Blick auf die Stadt. Auf den Trigoniou Trum kann man auch raufsteigen, zumindest wenn er offen ist. Wir waren an einem Montag dort und hatten kein Glück. Was aber nicht so schlimm war, weil man auch einen tollen Panoramablick vom Fuße des Trums aus hat und das sogar bei schlechtem Wetter (siehe Foto). Wer nicht bis hoch in die Altstadt laufen möchte, der kann zum Beispiel den Bus Nummer 23 nehmen (Ticket kostet pro Person und Fahrt ohne Umsteigen 1 Euro). Mit dem kommt man, wie wir ausprobiert haben, sehr gut bis zur Stadtmauer nähe dem Vlatades Kloster. Von dort kann man dann nach ein paar Minuten ganz entspannt den Trigoniou Turm erreichen. Man muss sich nur parallel der Stadtmauer halten und dann ist der Turm nicht zu verfehlen. Eine schöne Strecke zurück ins Zentrum von Thessaloniki ist dann zum Beispiel die Zografou entlang, wieder direkt parallel der Stadtmauer. Die führt an dieser Stelle noch ein ganzes Stück den Hügel hinunter. Ist wie gesagt eine schöne Strecke und man hat einen tollen Blick von oben auf die Stadt, während man sich dem Zentrum nähert. Dort oben in der Altstadt Thessalonikis habe ich übrigens auch das erste Mal in meinem Leben Granatapfelbäume gesehen. Die wachsen dort recht vielfältig, beinahe so, wie bei uns die „normalen“ Apfelbäume.

 

Einen Nachmittag am Strand verbringen

… oder wer mag, natürlich auch einen ganzen Tag. Thessaloniki selbst hat leider keinen eigenen Stadtstrand. Aber ungefähr 20-30 km südöstlich die Küste entlang und ein Stück südlich vom Flughafen gibt es einen bzw. mehrere kleine Strände, die zwar nicht die absoluten Traumstrände sind, aber doch eine schöne Zeit am Strand gewährleisten können mit Liegen, Sonnenschirmen und z. T. Wassersport.

Die entspannteste und auch schönste Art hinzukommen, wie ich finde, ist so eine Art Wassertaxi/-fähre. Ein findiges Unternehmen (Karavakia) fährt dort nämlich mit mehreren Booten mehrmals am Tag von Thessaloniki aus hin (einfache Fahrt kostet 3,50 Euro). Vom Hafen oder dem Weißen Turm aus kann man zwischen drei Stränden wählen: Agia Triada, Nei Epivates und Peraia. Die aktuellen Fahrtzeiten findet ihr im Internet auf der Firmenhomepage des Unternehmens oder vor Ort an den Abfahrtstellen der Boote. Wer nicht Boot fahren möchte, könnte auch mit dem Linienbus, einem Taxi oder Mietwagen hinfahren, aber das haben wir nicht ausprobiert. Wir waren aufgrund des Wetters (und Zeitgründen) leider nur an einem einzigen Nachmittag bis abends am Nei Epivates Strand und sind jeweils mit dem Boot gefahren. Das hat nicht nur gut funktioniert, sondern hat uns auch gleich noch nebenbei eine kleine Küstenrundfahrt beschert. Die Fahrt dauert übrigens ungefähr eine Stunde und bezahlt wird direkt auf dem Boot.

Sonnenuntergang an der Mole beim Nei Epivates Strand nahe Thessaloniki
Abends, beim Warten an der Mole auf unser Schiff @ Ella

Ausflug nach Meteora

Meteora in Griechenland - Felsen und ein Paar Klöster
Blick auf die Felsen und Klöster in Meteora @ Ella

Da wir keinen Mietwagen hatten und eine Zugfahrt zu lang gedauert hätte, haben wir uns für einen geführten Ausflug nach Meteora entschieden und den schon vorab per Internet gebucht. Es lagen aber auch im Hotel und in der Touristeninfo Flyer aus. Wobei es da mehrere Anbieter gab/gibt. Wir sind mit Ammon Express gefahren und haben es nicht bereut.

Mit Meteora bezeichnet man allgemein die Klöster und deren Umgebung, die ungefähr seit dem 14. Jh. von Mönchen auf Felsnadeln nahe der Orte Kastraki und Kalabaka gegenüber des Píndosgebirges errichtet wurden und heute zum Unesco-Welterbe gehören. Bewohnt sind heute allerdings nur noch 6 Stück und bei einem Ausflug mit einem Busunternehmen dorthin hat man auch nur Zeit, zwei davon zu besuchen. Wir waren an einem Sonntag dort und im Kloster Stefánou, welches zu den kleineren gehört, und im Kloster Varlaám, was das zweitgrößte noch offene Kloster ist und bei dem man 195 Stufen hochlaufen muss, um reinzukommen. Beide Klöster hatten ein kleines Museum mit sehr alten Texten/Handschriften und zum Beispiel antiken Kreuzen, schöne aufwendig bemalte Kirchen/Kapellen und waren sehr gut gepflegt. Im Varlaám Kloster kann man zudem noch ein altes Weinfass und den Lastenaufzug sehen, mit dem die Mönche früher ihre Baumaterialien, Lebensmittel etc. hinaufgeschafft haben. Der Eintritt bei jedem Kloster kostet 3 Euro und mir persönlich hat es gereicht, nur zwei von ihnen von innen gesehen zu haben. Sie sind sehr schön, keine Frage, aber doch im Grunde recht ähnlich. Am besten fand ich sogar jeweils den Ausblick von dort und die Anlagen an sich, wenn man sich vorstellt, wann das alles gebaut wurde und vor allem wo.

Die Fahrt von Thessaloniki bis nach Meteora (bzw. andersrum) hat etwas über 3 Stunden gedauert (inklusive einer Rastpause) und ging größtenteils entlang der Schnellstraße/Autobahn und damit sogar direkt vorbei am Olymp. Bei jedem Kloster hatten wir ungefähr eine Stunde Zeit zum Anschauen und vor der großen Mittagspause gab es noch zwei kurze Fotostopps mit wirklich toller Aussicht auf die Klöster und die Felsen. Für die Mittagspause selbst (eine Stunde lang) hat unser Bus (übrigens nur ein Kleiner mit vielleicht 15 Sitzen) am äußeren Rand von Kalabaka an einem Restaurant gehalten. Viel ringsum an Alternativen gab es da zwar nicht, aber da ich im Vorfeld schon so etwas gelesen hatte, haben wir uns vorsorglich etwas mitgebracht. Ganz in der Nähe vom Restaurant gab es dann sogar eine Art Picknickplatz mit fantastischem Blick auf das Tal, den Fluss und das Píndosgebirge. Im Großen und Ganzen also ein super Tagesausflug, trotz der längeren Anfahrt von rund 230 km.

Am Rande Kalabakas mit Blick auf das Tal und das Pindosgebirge/ Griechenland
Picknickplatz in Kalabaka @ Ella

Allgemeine, vielleicht hilfreiche, Tipps über Thessaloniki

Da es in Thessaloniki noch keine U-Bahn gibt (ist noch im Bau) und auch keine S-Bahn oder dergleichen, kann man eigentlich nur mit den öffentlichen Bussen fahren. Die sind sehr günstig im Preis. Tickets gibt es am Automat im Bus und wir hatten damit keine Probleme. Vom Flughafen in die Stadt fährt auch ein Airportexpressbus bis ins Zentrum (kostet 2 Euro) und wenn man sein Hotel gut gewählt hat, braucht man auch nicht mehr umzusteigen. Die Pläne findet man im Internet, allerdings nur auf Griechisch und Englisch. Auto fahren würde ich nicht unbedingt in der Stadt wollen, weil es vor allem im Zentrum viele Einbahnstraßen und wenig Parkplätze gibt.

 

Wer noch länger in Thessaloniki sein sollte, als 3-4 Tage, so wie wir oder auf die genannten Tipps keine Lust hat, Thessaloniki ist auch super als Ausgangspunkt, um einen direkten Abstecher zum Olymp oder nach Chalkidiki (zum Beispiel zum Mount Athos) zu machen. Das gibt es auch alles als geführten Ausflug mit einem örtlichen Unternehmen, wenn man keinen Mietwagen hat.

 

Und ganz wichtig für alle Fans der Eiscreme von Ben & Jerry‘s: Es gibt in Thessaloniki diese kleine Café-/Imbisskette „seven2seven“ (z. B. in Hafennähe am Rande der alten Promenade), die verkaufen Ben & Jerry‘s Eis kugelweise und das für unschlagbare 1,30 € pro Kugel! Damit sind sie sogar günstiger als die meisten Eisdielen in der Stadt, die ich so auf unserem Streifzug gesehen habe. Ihr könnt euch also sicher gut vorstellen, wo ich in diesem Urlaub Eis essen war.

 

Ansonsten waren die Griechen vor Ort alle sehr freundlich und hilfsbereit, nur deutsch verstehen die meisten eher schlecht bis gar nicht. Mit Englisch kommt man aber super gut zurecht, und falls ihr noch Fragen haben solltet, nur heraus damit. Ein paar weitere Fotos findet ihr zudem auf meinem Instagram-Profil oder bei Google+.

 

Anmerkung am Rande: Die Reihenfolge meiner Auszählung der Orte/Dinge hier hat nichts zu sagen und ist nur zufällig so gewählt. Da ich Firmennamen erwähnt habe: nein, es ist keine bezahlte Werbung.

 

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